Der Londoner Betreiber von Rechenzentren, Nscale, hat offiziell bei der US-Börsenaufsichtsbehörde einen Börsengang beantragt und will in New York bis zu 3 Milliarden US-Dollar aufnehmen, um die Infrastruktur zur Unterstützung des KI-Rechenbedarfs auszubauen.
Nscale wurde Anfang 2024 aus einer Krypto-Mining-Geschäftseinheit herausgelöst und ist inzwischen schnell zu einem führenden Anbieter im Bereich der KI-Infrastruktur aufgestiegen.
Aus den Antragsunterlagen geht hervor, dass bis August 2026 die von Nscale in seinen Rechenzentren gehaltene und kontrollierte Leistung mehr als 10 Gigawatt beträgt, mit einem gesamten Vertragswert von etwa 103 Milliarden US-Dollar. Zu den Partnern des Unternehmens zählen Nvidia und Microsoft.
Die neuesten Finanzdaten zeigen, dass der Umsatz des Unternehmens rasant steigt, aber gleichzeitig die Verluste wachsen.
In den sechs Monaten bis zum 30. Juni erzielt Nscale einen Umsatz von 140,6 Millionen US-Dollar und einen Nettoverlust von 1,02 Milliarden US-Dollar; im Vorjahreszeitraum betrug der Umsatz lediglich 10,4 Millionen US-Dollar und der Nettoverlust 368,9 Millionen US-Dollar. Das starke Wachstum geht mit hohen Investitionen einher und verdeutlicht die typischen Besonderheiten des KI-Infrastruktur-Sektors, was zum zentralen Thema für Investoren bei der Bewertung dieses IPOs werden dürfte.
Seit Jahresbeginn treibt das Konzept der KI-Infrastruktur die Anzahl neuer Börsengänge weltweit kontinuierlich nach oben. Laut Daten von Bloomberg beläuft sich das IPO-Finanzierungsvolumen seit Anfang des Jahres auf 161,4 Milliarden US-Dollar und erreicht damit den höchsten Stand seit 2021. Sollte Nscale den Börsengang erfolgreich abschließen, wäre dies ein weiteres symbolträchtiges Beispiel dieser Welle.
Nscale wurde Anfang 2024 aus dem Krypto-Mining herausgelöst und richtete sich sofort als "Neocloud"-Betreiber neu aus, der KI-Unternehmen Rechenressourcen zur Verfügung stellt. Innerhalb von etwas mehr als einem Jahr hat sich das Unternehmen zu einem der vielbeachteten Newcomer im Bereich der KI-Rechenzentren entwickelt.
Im März dieses Jahres schloss Nscale eine Finanzierungsrunde C ab, angeführt von Aker ASA und der Investmentgesellschaft 8090 Industries, an der Nvidia und Nokia beteiligt waren. Die Unternehmensbewertung lag bei etwa 14,6 Milliarden US-Dollar.
Die Unterlagen zeigen, dass Aker, Sandton Capital Partners sowie ein mit Payne verbundener Trust jeweils mehr als 5% der Unternehmensanteile halten.
Auch der Vorstand von Nscale ist bemerkenswert besetzt: die ehemalige Meta-Managerin Sheryl Sandberg sowie der ehemalige britische Vizepremier Nick Clegg sind Teil des Gremiums.
Nscale bezeichnet seine wichtigsten Einrichtungen als "Hyperscale-KI-Zentren", verteilt auf Norwegen, Portugal, Texas und West Virginia, mit jeweils mehr als 200 MW installierter Leistung.
Das Flaggschiff Monarch Computational Campus in West Virginia ist das größte Projekt. Laut den Unterlagen umfasst das Gelände etwa 2.250 Acres; beim Produktionsstart in der ersten Hälfte 2028 soll die Gesamtkapazität 2 GW erreichen und bis 2031 auf etwa 8 GW erweitert werden.
Im August verkündete das KI-Startup Anthropic, sich bereit erklärt zu haben, 45 Milliarden US-Dollar zu investieren, um im Monarch Campus KI-Cloud-Computing-Resourcen zu mieten.
In Skandinavien vereinbarte Nscale im April, im norwegischen Narvik Standorte über 30.000 zusätzliche Nvidia-Chips in den bestehenden Mietvertrag mit Microsoft aufzunehmen.
Nvidia spielt beim jetzigen IPO eine besonders wichtige Rolle: sowohl als Anteilseigner, als auch als Lieferant und als potenzieller Großgläubiger.
Laut Antragsunterlagen emittierte Nscale in der Finanzierungsrunde B Optionsrechte an Nvidia, wodurch letzterer zu einem Anteilseigner von über 5% wurde, jedoch handelt es sich dabei um nicht stimmberechtigte Aktien.
Darüber hinaus hat Nscale am 15. September eine Zeichnungsvereinbarung unterzeichnet und plant, den Investoren ungesicherte wandelbare Schuldscheine im Wert von 2,1 Milliarden US-Dollar auszugeben und Nvidia weitere ungesicherte wandelbare Schuldscheine oder nicht stimmberechtigte Aktien im Wert von einer Milliarde US-Dollar auszugeben, wobei die Transaktion mit Nvidia am 16. November abgeschlossen wird.
Allerdings räumt Nscale in den Risikoabschnitten der Unterlagen ein, dass die GPU-Versorgung stark von Nvidia abhängt und die enge Bindung beider Firmen ein potenzielles Konzentrationsrisiko darstellt.
Nscale strebt neben dem Ausbau der Hardware-Leistung auch eine Erweiterung auf die Softwareebene an, um die Effizienz für Kunden bei der Nutzung von KI-Rechenleistung zu steigern.
Im Juli dieses Jahres gab Nscale den Erwerb des in San Francisco ansässigen Software-Startups Anyscale für 1,65 Milliarden US-Dollar bekannt, um Kunden einen effizienteren Zugriff auf KI-Ressourcen zu ermöglichen.
Diese Übernahme markiert eine strategische Wende vom reinen Infrastruktur-Anbieter hin zum integrierten Anbieter von KI-Rechenleistungen.
Goldman Sachs, JPMorgan und Morgan Stanley führen als Hauptkonsortialführer den IPO durch, unterstützt von 19 weiteren Banken. Die Nscale-Aktie soll an der New Yorker Börse unter dem Ticker NSCL gehandelt werden.