Nach dem Aufwachen ist die Welt höflich gestiegen.
Quelle: Wall Street Informationskreis
Die Entwicklung der globalen Märkte am Montag lässt sich mit einem Satz beschreiben: Der Schein trügt, hinter den Kulissen ist es brandgefährlich.
Erstens: Die US-Aktienmärkte sind gestiegen, aber dies lässt sich derzeit nur als „falsche Erholung“ bezeichnen.
Die Erholung wurde von zwei Nachrichten gleichzeitig angetrieben: Eine Nachricht kam aus dem Nahen Osten, Iran und Israel legen den Waffenstillstand auf Eis; eine gute Nachricht kommt aus dem Bereich AI: Google hat bei Intel mehr als 3 Millionen spezialisierte AI-Chips für das Jahr 2028 bestellt.
Diese beiden Nachrichten treffen genau die beiden aktuellen Schwerpunkte des Marktes, doch keiner der drei großen US-Aktienindizes konnte mit mehr als 1% im Plus schließen, das Marktvertrauen ist nicht zurückgekehrt. Die wichtigste „Trumpfkarte“ der Erzählung ist erschienen, aber das Resultat ist lediglich ein schwacher Mini-Anstieg. Man kann es als „höflichen Anstieg“ bezeichnen – mit einem Hauch von Demut.
Zweitens: Aus Sicht der Schlusszahlen ist der Gefahrenalarm noch nicht aufgehoben: Der Ölpreis liegt weiterhin über 90 US-Dollar, die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen über 4,5 %, die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen über 5 %, der Dollar-Index hält die 100er-Marke. Rohstoffe (Öl), Währungen (Dollar-Index) und risikolose Anlagen (US-Staatsanleihen) befinden sich allesamt im Lager von Straffung, hoher Inflation und hohen Zinsen.
Drittens: Eine gute Nachricht ist, dass der Wall Street-Volatilitätsindex VIX die Marke von 20 unterschritten hat (Schlusskurs 18,92), was das beklemmende Gefühl am Markt etwas lindert. Sollte er heute unter die Marke von 18 fallen (was bedeutet, dass die Absicherungspositionen der Bullen in großem Stil aufgelöst werden), wäre das ein Hinweis auf eine positive Entwicklung.
Viertens: Es gibt noch eine gute Nachricht – an der Wall Street gibt es eine neue Interpretation der Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag: Viele Analysten glauben, dass eine Zinserhöhung der Fed unwahrscheinlich ist, es sei denn, die Inflationserwartungen steigen weiter an. Mindestens noch einige Arbeitsmarkt- und CPI-Daten müssen abgewartet werden, bevor die Fed ihre nächsten Schritte entscheidet – die aktuelle Sorge des Marktes ist also verfrüht. An der Oberfläche wirkt diese Argumentation besänftigend, aber inhaltlich liegt hier ein geschickter „Begriffswechsel“ vor: Das eigentliche Kernrisiko ist nicht, ob die Fed die Zinsen anhebt, sondern dass der Markt eine „Nicht-Senkung oder gar ein längeres Beibehalten der hohen Zinsen“ schwer verkraftet.
Die Entwicklung der US-Aktienmärkte am Dienstag ist von entscheidender Bedeutung: Sollte sie „schwach eröffnen und weiter schwächer werden“, bestätigt sich, dass der Anstieg vom Montag eine Bullenfalle und lediglich eine „Zwischenerholung im Abwärtstrend“ war. Sollte der Markt seitwärts verlaufen, bedeutet dies, dass die Marktgelder komplett eingefroren und in Erwartung der „finalen Entscheidung“ durch die US-CPI-Daten für Mai am Mittwoch ruhen. Ökonomen erwarten, dass die monatliche Kern-CPI Steigerung in den USA im Mai von 0,4% auf 0,3% sinkt, der jährliche Anstieg jedoch von 2,8% auf 2,9% steigt.
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