IBM (IBM.US) kündigt den Eintritt in das „Zeitalter des Quantenvorteils“ an: CEO prognostiziert substanzielle Umsätze ab 2028, Billionenwerte werden in den 2030er Jahren freigesetzt
Der CEO von IBM erklärte, dass Quantencomputing im Jahr 2028 oder 2029 einen „messbaren Einfluss“ auf die Unternehmensgewinne haben wird.
German Finanzen APP berichtet, dass IBM (IBM.US) einen Meilenstein auf dem langen Weg der Quantentechnologie von der Forschung zur Kommerzialisierung erreicht hat. Am Donnerstag gab der traditionsreiche Technologiekonzern bekannt, seine Forschung habe den “Quantum Advantage” offiziell bewiesen – Quantencomputer können Aufgaben lösen, die außerhalb des Leistungsspektrums klassischer Computer liegen, und diese Ergebnisse lassen sich durch strenge Methoden verifizieren. Gleichzeitig lieferte IBM-CEO Arvind Krishna den bisher klarsten Zeitrahmen: Quantencomputing wird 2028 oder 2029 “messbare Auswirkungen” auf Umsatz und Gewinn haben und bis Ende der 2030er Jahre Werte im Billionen-Dollar-Bereich erschließen.
“Quantum Advantage” ist da: Vertrauenswürdige Berechnungen, stärker als Supercomputer
Am 30. Juli haben IBM und das Quantensoftware-Start-up Algorithmiq gemeinsam eine bahnbrechende Studie veröffentlicht und erstmals “vertrauenswürdigen Quantum Advantage” in der Simulation heterogener Quantenmaterialien (heterogeneous quantum materials) erzielt.
Die zentrale Herausforderung der Forschung: Wie kann man Vertrauen in Ergebnisse schaffen, wenn die Resultate von Quantencomputern nicht von klassischen Rechnern überprüft werden können? Das Team von IBM und Algorithmiq hat durch ein neuartiges Verifizierungsframework Abhilfe geschaffen – durch gesteuerte Rauschmanipulation, kontrollierte Rausch-Einspeisung und Ausführung über mehrere IBM-Quantenprozessoren wurde nachgewiesen, dass die Quantenresultate unter verschiedenen Bedingungen stabil bleiben, was unabhängige Validierung ermöglicht.
In der Studie wurde der Operator Loschmidt Echo simuliert – ein Schlüsselindikator dafür, wie Information und Energie in heterogenen, ungeordneten Quantenmaterialien wie Batterieelektrolyten und chemischen Katalysatoren propagiert werden. Dieses Modell ist auf aktuellem Quantenhardware experimentell umsetzbar, stellt aber für führende klassische Simulationsmethoden eine große Herausforderung dar. Das Ergebnis ist beeindruckend: Seit das Problem vor acht Monaten im “Quantum Advantage Tracker” veröffentlicht wurde, konnte keine klassische Methode verlässlich Resultate in diesem Bereich erzielen.
Jay Gambetta, Leiter der IBM-Forschungsabteilung, erklärte: “Wir befinden uns im Zeitalter des Quantum Advantage. Wissenschaftler können diesen Ergebnissen vertrauen. Der Fokus hat sich von bloßen System-Benchmarks zu wissenschaftlichen Forschung und praktischer Anwendung verlagert.”
Am gleichen Tag präsentierte IBM gemeinsam mit der University of Chicago sowie der israelischen Qedma zwei weitere Studien zum Quantum Advantage – dabei ging es um die Stichprobenentnahme von 70 logischen Qubits im Bereich doped Clifford sampling sowie um die Simulation der zweidimensionalen Floquet Ising Dynamik mit 74 Qubits. Die Zusammenarbeit mit der University of Chicago zeigte, dass das IBM-Quantensystem die Sampling-Aufgabe in ca. 15 Minuten erledigen konnte, während führende klassische Methoden “nicht praktikable Laufzeiten” aufweisen. Bei den Untersuchungen mit Qedma wurde der japanische Supercomputer “Fugaku” direkt übertroffen – erstmals hat kommerzielle Hardware bei physikalischen Problemen Quantum Advantage bewiesen.
Startschuss für den Billionenmarkt: Umsatzwende 2028, Billionenwert in den 2030ern
Gleichzeitig zur technologischen Innovation gab Krishna den bislang offensivsten Kommerzialisierungsfahrplan ab. Er sagte gegenüber CNBC klar: “Ich glaube, es wird 2028 oder 2029 messbare Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn geben. Bis Ende der 2030er Jahre sind wir inzwischen ziemlich sicher, dass das einen Wert von einer Billion Dollar bringen wird.”
Krishna führte die praktischen Anwendungsperspektiven für Quantencomputing weiter aus: IBMs Quantencomputer haben Materialeigenschaften aufgedeckt, die Forschende mit klassischen Methoden nicht erkennen konnten. Diese Erkenntnisse könnten künftig bessere Batterien, fortschrittlichere Materialien, effizientere Fusionsenergie und intelligenter konzipierte Medikamente ermöglichen. “Quantencomputer können Dinge besser, schneller und günstiger tun – auf eine Weise, die klassische Rechner heute nicht erreichen können.”
Obwohl Skeptiker weiterhin auf hohe Fehlerquoten, komplexe Hardware und mangelnde Skalierbarkeit als Hemmnisse für den kommerziellen Durchbruch der Quantencomputer verweisen, betont Krishna, dass IBM bei der Realisierung bereits “bedeutende Fortschritte” gemacht hat. Wedbush-Analysten erwarten, dass das Quantenbusiness für IBM bis Mitte der 2030er Jahre “Milliarden Dollar Jahresumsatz und hohe Gewinnmargen” abwerfen könnte.
Rückendeckung durch Staatsmacht: Milliardenfabrik für Quantenchips und Zehn-Milliarden-Investitionen
Hinter IBMs Quantenzielen steht die “sichtbare Hand” der US-Regierung. Im Mai gab IBM gemeinsam mit dem US-Handelsministerium bekannt, dass die erste reine Quanten-Chip-Waferfabrik der USA – Anderson – entstehen soll. Laut Vertrag stellt das Handelsministerium im Rahmen des CHIPS-Programms 1 Milliarde Dollar Fördermittel bereit, IBM steuert ebenfalls 1 Milliarde Dollar Investment und überträgt zahlreiche Patente, Assets und Experten. Anderson hat seinen Hauptsitz im Staat New York (Albany) und wird ein 300-mm-Waferwerk für Quantenchips betreiben.
US-Handelsminister Howard Lutnick betonte, das Projekt werde “das industrielle Fundament der Nation stärken und tausende gut bezahlte Jobs schaffen”. IBM hatte bereits angekündigt, in den kommenden fünf Jahren über 10 Milliarden Dollar in Quantencomputing zu investieren, mit dem Ziel, 2029 den weltweit ersten großskaligen fehlertoleranten Quantencomputer “IBM Quantum Starling” zu liefern. Im US-Kongress läuft derzeit eine Quantum-Sonderförderung über 2 Milliarden Dollar, Wedbush schätzt, dass davon bis zu 1 Milliarde Dollar an IBM fließen könnte.
Nach dem 25% Kurssturz: Kann Quantencomputing das Vertrauen wiederherstellen?
Doch die große Quantum-Story trübt nicht die aktuelle Marktsituation von IBM. Am 14. Juli erlitt die IBM-Aktie den größten Tagesverlust ihrer Geschichte – minus 25%. Der bisherige Rekordverlust war am 19. Oktober 1987 mit einem Minus von 23,7%. Auslöser waren vorab veröffentlichte Q2-Zahlen: Der Umsatz soll bei 17,2 Milliarden Dollar liegen und um nur 1% zulegen, Software wächst 5%, Beratung bleibt gleich, das Infrastrukturgeschäft schrumpft um 7%.
Krishna machte Umsatzeinbußen daran fest, dass Kunden Investitionen auf Server, Speicher und RAM umschichteten. In seinem Investorenbrief sagte er: “In den letzten Juniwochen sahen wir, wie Kunden ihr Quartalsbudget auf Server, Storage und RAM lenkten, um bei knappem Supply vor erwarteten Preiserhöhungen schnell Hardware zu sichern.” Diese Entwicklung spiegelt den aktuellen Boom bei KI-Hardware wider, Softwareausgaben werden zurückgedrängt.
In Interviews versuchte Krishna die Investoren zu beruhigen. Er erklärte, die verschobenen Deals seien nicht verloren gegangen: “Die gute Nachricht: Rund 40% der verschobenen Deals wurden innerhalb von drei bis vier Wochen abgeschlossen… das zeigt, es handelt sich nur um eine Verzögerung statt um Stornierungen.”
Bisher erholte sich der IBM-Aktienkurs nur etwa 2% von seinem Tiefststand nach dem Absturz. Ein nachhaltiges Comeback bei den Investoren wird deutlich mehr brauchen als ein zurückgeholtes “40% der Deals”.
Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Artikels gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder und repräsentiert nicht die Plattform in irgendeiner Form. Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, als Referenz für Investitionsentscheidungen zu dienen.
Das könnte Ihnen auch gefallen
Hohe Zinssätze sind nicht der „Terminator“ für US-Aktien? Gewinne sind es?
JPMorgan ist der Ansicht, dass das Wachstum der Gewinne der entscheidende Faktor für die Widerstandsfähigkeit der Bewertungen am US-Aktienmarkt ist. Daten seit 1950 zeigen, dass zwischen der Rendite von zehnjährigen US-Staatsanleihen und den Bewertungen des S&P 500 eine „umgekehrte U-förmige“ Beziehung besteht. Bei dem aktuellen Gewinnniveau würde eine Rendite von etwa 5 % bis 6 % die Bewertungen deutlich drücken. Solange das Gewinnwachstum über 15 % bleibt, besteht weiterhin Spielraum für Neubewertungen. Wenn die Zinsstrukturkurve im Bärenmarkt steiler wird, profitieren zyklische Sektoren wie Energie und Finanzen stärker; wenn sie sich abflacht, sind Technologiewerte relativ bevorzugt.
Die Investmentkunst der „Ausreißer“ im neuen Zeitalter von Börki

Chevron (CVX.US) sucht alternative Wege, um Lieferunterbrechungen im Nahen Osten abzusichern: Fokus auf Argentinien und das Mittelmeer zur Förderung des weltweiten LNG-Wachstums, strebt Vereinbarungen mit Indien an
Chevron richtet den Blick auf Argentinien und die Mittelmeerregion, strebt globales Wachstum im Bereich Flüssigerdgas an und plant eine Vereinbarung mit Indien.

Zunehmender Druck durch Energie- und Lebensmittelpreise könnte die Inflation wieder aufflammen lassen! Die Bank of England dürfte Schwierigkeiten haben, gelassen zu bleiben – Zinserhöhungserwartungen steigen rapide am Markt.
Der Aufwärtsdruck auf die Energiepreise, der durch den schwelenden Krieg im Nahen Osten verursacht wird, nimmt deutlich zu. Neue Risiken rücken ebenfalls näher und könnten dazu führen, dass die Inflation im größten Teil des kommenden Jahres weiterhin über dem 2%-Ziel der Bank of England bleibt.

