Bitcoin fällt um mehr als 50%, aber es gibt keinen „Panikverkauf“? Die beschleunigte Institutionalisierung verändert die Logik des Krypto-Bärenmarktes
Obwohl sich Bitcoin noch immer in einem langanhaltenden Bärenmarkt befindet und der Preis deutlich unter dem historischen Höchststand liegt, findet innerhalb des Kryptowährungsmarkts derzeit ein tiefgreifender Wandel statt.
Wie das Zhihui Finance APP berichtet, kommt es trotz anhaltender Baisse bei Bitcoin und einem deutlichen Rückgang gegenüber dem Allzeithoch zu einer tiefgreifenden Veränderung innerhalb des Kryptowährungsmarkts. Der neueste Bericht des Krypto-Market-Makers Wintermute zeigt, dass institutionelle Investoren wie Hedgefonds und Vermögensverwaltungsunternehmen die Privatanleger allmählich ablösen und zu den wichtigsten Liquiditätsanbietern des Kryptomarktes werden, wodurch sich die Marktstruktur zunehmend institutionalisiert.
Daten zeigen, dass im ersten Halbjahr 2026 institutionelle Investoren 72% des OTC-Spot-Handelsvolumens bei Wintermute ausmachten – ein deutlicher Anstieg gegenüber 59% im gleichen Zeitraum 2025. Bemerkenswert ist, dass dieser Wandel vor dem Hintergrund eines insgesamt anhaltenden Rückgangs des Kryptohandelsvolumens geschieht und unterstreicht, dass Gelder von der Wall Street zunehmend zur dominierenden Kraft werden, womit sie bislang typische heftige Schwankungen am Kryptomarkt abschwächen.
Wintermute-Analysten erklären, dass der Kryptomarkt ursprünglich hauptsächlich von Privatkunden durch Spekulation und Momentum-Handel angetrieben wurde, während die anhaltende Flaute nun zeige, dass professionelle institutionelle Händler zunehmend die Preisgestaltung am Markt kontrollieren.
In dem Bericht heißt es: „Diese Trends deuten darauf hin, dass der Kryptomarkt in eine stärker institutionell geprägte Marktstruktur übergeht. Kapital konzentriert sich immer stärker, Derivate werden zum zentralen Instrument für die Umsetzung von Investmentthesen durch Institutionen, und tokenisierte Vermögenswerte beginnen einen sekundären Markt von nennenswerter Größe zu entwickeln.“
Wintermute stellt fest, dass institutionelle Investoren nicht nur zahlenmäßig zunehmen, sondern sich auch ihre Art der Investition verändert. Immer mehr Institutionen erschließen den Zugang zu Kryptoanlagen nicht durch den direkten Kauf von Bitcoin, Ethereum und Co., sondern über Derivate, strukturierte Produkte sowie börsengehandelte Fonds (ETF).
Dieser Trend beschränkt sich nicht nur auf den Bitcoin- und Ethereum-Markt, sondern weitet sich zunehmend auch auf Altcoins aus. Daten zeigen, dass im ersten Halbjahr dieses Jahres das Volumen der Altcoin-Optionsgeschäfte auf der OTC-Plattform von Wintermute gegenüber dem zweiten Halbjahr des Vorjahres um mehr als das Dreifache gestiegen ist. Allerdings konzentriert sich die Marktliquidität zunehmend auf wenige große Token, und der Trend zur Kapitaldifferenzierung verstärkt sich weiter.
Gleichzeitig sind institutionelle Investoren bei der Auswahl ihrer Anlagen deutlich vorsichtiger als Privatanleger. Daten von Wintermute zeigen, dass in den vergangenen zwei Jahren die Zahl der von professionellen Institutionen gehandelten Token nur um 24% gestiegen ist, während die Zahl der von Privatanlegern gehandelten Token um 76% zulegte. Das belegt, dass Institutionen tendenziell liquide und fundamental reifere Vermögenswerte bevorzugen.
Alistair Byas-Perry, Leiter für Kapitalmärkte und Investitionen Europa, Nahost und Afrika beim digitalen Vermögensverwalter 21Shares, erklärt, dass immer mehr Vermögensverwaltungs- und Investmentgesellschaften inzwischen deutlich strengere Due-Diligence-Prüfungen bei Kryptoanlagen durchführen und die Investitionsentscheidungen spürbar rationaler ausfallen.
Die veränderte Marktstruktur unterscheidet die aktuelle Bitcoin-Baisse von früheren Zyklen. Obwohl Bitcoin aktuell rund 50% unter dem im Oktober letzten Jahres erreichten Allzeithoch von über 126.000 US-Dollar notiert, ist der Gesamttrend eher ein schleichender Rückgang als der sonst in den "Krypto-Wintern" übliche Absturz.
Stephen Coltman, Leiter Makro-Research bei 21Shares, sagt: "Heutzutage werden Kryptowährungen immer mehr gehandelt wie andere etablierte Anlageklassen."
Mit Blick auf die weitere Entwicklung gehen einige Institute davon aus, dass der Markt sich möglicherweise dem Boden nähert, bleiben jedoch überwiegend vorsichtig. Coltman meint: "Ob der Markt seinen Tiefpunkt gefunden hat, lässt sich nur im Nachhinein feststellen. Es gibt derzeit tatsächlich einige Anzeichen, dass wir uns dem Boden nähern könnten, aber wie es weitergeht, weiß letztlich niemand."
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