Merz wird sich nächste Woche mit EZB-Beamten treffen, der Wettbewerb um die Nachfolge von Lagarde wird intensiver
Die Personalwechsel in der Führung der Europäischen Zentralbank treten in eine intensive Phase ein, und der Wettbewerb um Lagardes Nachfolge nimmt Fahrt auf. Da in den kommenden zwölf Monaten mehrere Kernmitglieder mit dem Ablauf ihrer Amtszeit oder einem möglichen vorzeitigen Ausscheiden konfrontiert sind, beschleunigt sich das Ringen um die nächste Führungsspitze der EZB – besonders der deutsche Vorstoß, einen eigenen Kandidaten für das Präsidentenamt ins Rennen zu schicken, steht im Fokus.
Am 3. September wurde berichtet, dass der deutsche Bundeskanzler Merz nächste Woche in Berlin an einem offiziellen Abendessen der Deutschen Bundesbank teilnehmen wird; anschließend wird die EZB ebenfalls vor Ort eine konjunkturpolitische Sitzung abhalten. Deutschland erwägt, den Präsidenten der Deutschen Bundesbank, Nagel, als Kandidaten für das Amt des nächsten EZB-Präsidenten zu nominieren; der Finanzminister Lars Klingbeil hat diese Personalie ausdrücklich unterstützt.
Gleichzeitig verhandelt das EZB-Vorstandsmitglied Schnabel mit dem Internationalen Währungsfonds (IMF) über den Posten als Leiter der Abteilung für Geld- und Kapitalmärkte, was einen vorzeitigen Austritt aus der EZB vor dem Ende ihrer Amtszeit Ende 2027 bedeuten könnte. Kommt es dazu, scheidet Schnabel aus dem Rennen um die Präsidentennachfolge aus – das verkleinert den Pool deutscher Kandidaten weiter.
Lagardes persönliche Zukunft bringt zudem eine weitere Variable in die Nachfolgediskussion. Ihre Amtszeit endet im Oktober 2027, doch Gerüchte über einen möglichen vorzeitigen Rücktritt hat Lagarde nie ganz dementiert; parallel bemüht sich das World Economic Forum aktiv darum, sie zur nächsten Vorsitzenden zu machen.
Der Personalwechsel betrifft dabei nicht nur das Präsidentenamt. Von Mai bis Oktober nächsten Jahres enden die Amtszeiten des EZB-Chefökonomen Lane und von Lagarde, und mit einem möglichen vorzeitigen Ausscheiden Schnabels werden mehrere Schlüsselpositionen innerhalb eines Jahres neu besetzt. Deutschland, Frankreich, Spanien und die Niederlande beobachten die Entwicklung aufmerksam; die Posten des Präsidenten und im Vorstand könnten gemeinsam koordiniert werden, sodass die Zusammensetzung der nächsten EZB-Führung grundlegend neu gestaltet wird.
Deutschland setzt auf Nagel – Wettstreit um Lagardes Nachfolge
Nagel hat in einem kürzlich geführten Interview zum ersten Mal direkt Stellung zur Nachfolgefrage des EZB-Präsidenten genommen. Er betonte, das EZB-Direktorium sei insgesamt hochqualifiziert und es gebe außerdem ausgezeichnete externe Kandidaten; die Entscheidung werde letztlich politisch getroffen.
Für Deutschland hat die Durchsetzung eines eigenen Kandidaten eine besondere Bedeutung. Seit der Gründung der EZB hat noch nie ein Deutscher das Präsidentenamt innegehabt. Sollte Nagel sich durchsetzen, würde diese Tradition gebrochen – gleichzeitig wäre das ein weiteres Zeichen für Deutschlands gestiegene Einflussnahme auf die eurozonenweite Geldpolitik.
Doch die Personalie stößt auch auf Widerstand. Ein Deutscher führt aktuell bereits die Europäische Kommission, und die deutsche Ökonomin und ehemalige Vizepräsidentin der Bundesbank, Claudia Buch, ist bis 2028 Vorsitzende des EZB-Aufsichtsgremiums. Würde Deutschland auch noch das Präsidentenamt erhalten, wären die Schlüsselpositionen der wichtigsten Wirtschafts- und Finanzinstitutionen der EU dominant deutsch besetzt – ein Grund für Widerstand aus anderen Mitgliedsländern oder für Forderungen nach einem Personaltausch.
Bewerbung aus mehreren Ländern – Personalpolitik könnte „paketweise“ koordiniert werden
Das Ringen um Lagardes Nachfolge beeinflusst auch andere Posten in der EZB. Medienberichten zufolge haben Frankreich und Spanien Ansprüche auf entsprechende Positionen angemeldet, auch die Niederlande werden in Erwägung gezogen. Der ehemalige Präsident der niederländischen Zentralbank, Klaas Knot, gilt ebenfalls als potentieller Kandidat für das Präsidentenamt.
Die Herausforderungen der Neubesetzungen liegen darin, dass Präsidenten- und Vorstandsposten nicht vollständig voneinander getrennt sind. Nach EZB-Konvention müssen bestehende nationale Vorstandsposten neu abgestimmt werden, falls ein Kandidat aus einem bestimmten Land das Präsidentenamt erhält; somit bringt die Festlegung des Präsidenten auch die anderen Vorstandsposten in Verhandlungen.
Da zahlreiche Positionen gleichzeitig neu besetzt werden, dürften die Regierungen nicht einzeln über jede Personalie entscheiden, sondern Präsidenten- und Vorstandsämter gemeinsam koordinieren. Durch gegenseitigen Austausch und Balancen entsteht dann ein Gesamtkonzept. Das Ergebnis hängt deshalb nicht nur von der Qualifikation der Einzelkandidaten ab, sondern auch davon, wie Deutschland, Frankreich, Spanien und die Niederlande ihre Positionen und Einfluss im Führungsgremium der EZB neu verteilt.
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