Während der Markt über die Nachhaltigkeit der KI-Gewinne besorgt ist, widerspricht HSBC: US-Aktien sind „nicht teuer“ und der strukturelle Investitionszyklus für KI ist noch nicht vollständig eingepreist.
Willem Sels von HSBC ist der Ansicht, dass der US-Aktienmarkt nicht so teuer ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Er weist darauf hin, dass die aktuellen Bewertungen das Ausmaß der durch künstliche Intelligenz (AI) getriebenen Produktivitätssteigerung und Gewinnwachstumswelle noch nicht vollständig widerspiegeln.
Laut der Wissensplattform von Zhitong Finance APP ist Willem Sels von HSBC der Meinung, dass der US-Aktienmarkt nicht so teuer ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Er betont, dass die aktuellen Bewertungen das Ausmaß der durch Künstliche Intelligenz (AI) getriebenen Produktivitätssteigerungen und Gewinnwachstumsschübe noch nicht vollständig widerspiegeln.
Sels hat beobachtet, dass sich die Kluft bei den Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) zwischen dem US-Aktienmarkt und den europäischen Märkten bereits verringert hat, während der sogenannte „AI-strukturelle Investitionszyklus“ noch nicht vollständig eingepreist ist. Aktuell liegt das erwartete KGV des S&P 500 Index für die kommenden 12 Monate bei etwa 19, während der STOXX Europe 600 Index bei fast 15 liegt.
In einem Interview erklärte Sels, Global Chief Investment Officer für Private Banking and Wealth bei HSBC: „Der US-Aktienmarkt ist nicht teuer. Der Markt zweifelt zwar an der Nachhaltigkeit des Gewinnwachstums, aber diese Sorge ist bereits im Preis berücksichtigt, denn die KGV-Differenz hat sich verringert.“
Er fügte hinzu, dass insbesondere Chiphersteller von Investoren mit einem Kursabschlag bedacht werden, da am Markt weiterhin Skepsis gegenüber den Gewinnprognosen für 2027 herrscht. Er ist jedoch der Meinung, dass diese Zweifel allmählich abklingen werden, wenn Unternehmen durch Auftragsbestände und Gewinnprognosen konkretere Belege liefern.
Insgesamt ist Sels für die Aktienmärkte optimistisch gestimmt. Er ist der Ansicht, dass die Wirtschaft und die Unternehmensleistung trotz wiederholter Überraschungen durch Nachrichtenereignisse „widerstandsfähiger als erwartet“ sind und sowohl Regierungen als auch Unternehmen bei Schocks aktiv reagieren, anstatt abzuwarten.
Er stellt klar heraus, dass Unternehmen, insbesondere US-Firmen, die aktiv AI-Technologien einführen, im Vergleich zu Unternehmen ohne AI-Nutzung stärkere Zuwächse bei Gewinnen, Umsätzen und Margen erzielen – ein deutlicher Beleg dafür, dass AI bereits echte Produktivitätssteigerungen ermöglicht hat.
Nach Ansicht von Sels ist das größte einzelne Risiko für den Aktienmarkt ein rapider Anstieg der Anleiherenditen. Er sieht ein Annähern der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen an die 5%-Marke als möglichen Auslöser für Volatilität. Gleichzeitig räumt er ein, dass sich der Markt „lange Zeit an eine geringe Anleihevolatilität gewöhnt“ habe, bleibt jedoch dabei, dass eine starke Gewinnentwicklung es dem Aktienmarkt schwer macht, seinen Aufwärtstrend zu stoppen.
Jüngst dominierte die Entwicklung am Anleihemarkt erneut die Stimmung der Aktienanleger. Mit der Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran steigen Ölpreise und Inflationssorgen, und die Renditen klettern weiter. Zusätzlich sorgen die restriktiven Signale der Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank, fiskalische Bedenken sowie der verschärfte Wettbewerb um Kapital infolge des AI-Investitionsbooms für weiteren Renditedruck.
Grace Peters von JPMorgan stellte vergangene Woche fest, dass ein Erreichen der 5%-Marke bei zehnjährigen US-Staatsanleihen eine bedeutende psychologische Wirkung hätte und kurzfristige Stressreaktionen am Aktienmarkt auslösen könnte. Auch Emmanuel Cau von Barclays erklärte, dass bei einem Anstieg der Renditen auf 5% die Sorge der Investoren über die Aussichten für den Aktienmarkt spürbar zunehme.
Hinsichtlich des europäischen Marktes ist Sels der Ansicht, dass die Region dank einer diversifizierten Branchenstruktur sowie von Regierung und Unternehmen proaktiv aufgebauter Widerstandsfähigkeit weniger anfällig für eine Energiekrise ist als vom Markt zuvor befürchtet. Er betrachtet Europa als eine attraktive Diversifikationsmöglichkeit für Investoren, deren Portfolios stark auf AI-Engagements in den USA konzentriert sind, und verweist darauf, dass die jüngste Sektorenrotation von Technologie hin zu Finanzwerten dem europäischen Aktienmarkt zugutekommt.
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