Der Hedgefonds-Magnat David Einhorn: In den nächsten 3–5 Jahren wird Gold den Nasdaq deutlich übertreffen.
David Einhorn ist der Ansicht, dass die finanzielle Situation der USA außer Kontrolle geraten ist, der Status des US-Dollars als Reservewährung untergraben wird und die Tendenz zur Entdollarisierung weiter zunimmt, was den langfristigen Wert von Gold stärkt. Gold ist die größte makroökonomische Long-Position von Greenlight Capital. Gleichzeitig warnt er davor, dass die derzeit den Nasdaq dominierenden großen Tech-Giganten von ihrem monopolistischen Modell mit geringem Asset-Einsatz zu kapitalintensiven Wettbewerbsbereichen wechseln. Die durch die KI-Investitionen verursachte Abschreibungsbelastung wird die Gewinne allmählich beeinträchtigen.
David Einhorn, Gründer von Greenlight Capital, erwartet, dass Gold in den nächsten drei bis fünf Jahren den Nasdaq deutlich übertreffen wird, wobei der Abstand möglicherweise erheblich ist.
In einem jüngsten Interview mit Morgan Stanley warnte David Einhorn, Große Technologiewerte im Nasdaq stehen vor einer grundlegenden Transformation ihres Geschäftsmodells: von "Asset-Light-Monopolen" hin zu kapitalintensivem Wettbewerbsbusiness, während die langfristige Aufwärtslogik von Gold weiter gefestigt wird.
Einhorn bezeichnet diese Aussage als „kühne Prognose“. Er erklärt, Die US-Finanzlage bleibt außer Kontrolle, der Status des Dollar als Reservewährung wird untergraben und zusätzlich verstärkt sich weltweit der Trend zur „Ent-Dollarisierung“. Dadurch steigt der strategische Langzeitwert von Gold systematisch.
Gleichzeitig sieht er in der Investitionswelle rund um AI eine langfristige Bedrohung für die Gewinne der Tech-Giganten.
Diese Einschätzung spiegelt sich direkt in der Allokation von Greenlight Capital wider. Einhorn verrät, dass Gold derzeit die größte makroökonomische Long-Position des Fonds ist und seit 2008 gehalten wird. Er betont:
Solange der Bundeshaushalt nicht kontrolliert wird, ist Gold mein Freund.
Gold: Das bevorzugte Absicherungsinstrument in Zeiten finanzieller Instabilität
Einhorns optimistische Logik für Gold ist tief verwurzelt in seiner langfristigen Sorge über globale Finanz- und Währungsarchitektur.
Er ist der Ansicht, dass insbesondere die Haushaltsdefizite der wichtigsten Volkswirtschaften – vor allem der USA – noch lange nicht unter Kontrolle sind. Er spricht direkt die Zielsetzung der US-Finanzministerin von 3% Defizitanteil am BIP an und sagt:
Ich weiß nicht, wie sie dieses Ziel erreichen will; aktuell gibt es kaum Fortschritte.
Auf Ebene des Währungssystems betont Einhorn, dass das Einfrieren russischer Devisenreserven durch westliche Staaten ein wichtiges Signal war, das viele Länder dazu bringt, die Sicherheit ihrer Dollar-Assets neu zu bewerten. Er erklärt:
Der Sinn von Reserven besteht darin, dass man sie im Bedarfsfall nutzen kann. Wenn das nicht möglich ist, was sind dann Reserven?
Er ergänzt, dass Gold nach dem parabolischen Anstieg von Januar bis Februar in diesem Jahr möglicherweise kurzfristig eine Phase der Konsolidierung erlebt. Einhorn betont:
Selbst wenn Gold für ein Jahr oder sogar anderthalb Jahre keine Bewegung zeigt, überrascht mich das nicht.
Er hebt hervor, dass es hierbei um eine langfristige, mehrjährige Einschätzung geht. Innerhalb von fünf Jahren sollte Gold spekulative Höchststände verarbeiten und wieder nachhaltig steigen.
Tech-Giganten: Der schmerzhafte Wandel von "Asset-Light" zu "kapitalintensiv"
Einhorns pessimistischer Ausblick auf den Nasdaq basiert maßgeblich auf einer nüchternen Analyse der Investitionswelle im Bereich AI.
Er sieht in den aktuellen Gewinnen des Tech-Sektors einen hohen Anteil an „Übergewicht“ und verzögert wirkende Abschreibungen werden künftig zunehmend die Profitabilität belasten.
Am Beispiel der Speicherchips verdeutlicht er diesen Mechanismus: Steigt der Speicherpreis auf das Fünffache, explodieren die Gewinne der Speicherlieferanten. Doch die hochpreisigen Geräte, die von Hyperscale-Cloudanbietern gekauft werden, werden kapitalisiert – die aktuellen Ausgaben belasten das Ergebnis nicht, Abschreibungsdruck wird in die Zukunft verschoben.
Einhorn erklärt:
Laut einer Berechnung könnten alleine die Abschreibungen, basierend auf dem aktuellen Umfang des AI-Baus, bis 2033 die heutigen Gewinne der Hyperscale-Cloudanbieter erreichen – selbst unter der Annahme, dass das bestehende Geschäft weiter mit historischer Geschwindigkeit wächst.
Das bedeutet, dass die Profitabilität der Unternehmen dann vollständig von den zusätzlichen Erträgen aus dem AI-Geschäft abhängt – und diese Erträge unter starkem Wettbewerbsdruck stehen.
Die grundlegende Einschätzung lautet: Große Tech-Unternehmen verlieren zunehmend das Fundament für ihr historisch hohes Bewertungsniveau. Einhorn betont:
Sie wandeln sich von Asset-Light-Monopolgeschäften zu kapitalintensivem, wettbewerbsintensivem Business. In kapitalintensiven Branchen jagt Kapital dem Ertrag nach; Überrenditen werden durch Konkurrenz letztlich aufgebraucht. Sobald das passiert, steht die Nasdaq-Bewertung vor einer Neubewertung.
AI-Wertschöpfungskette: Profiteure sind Nutzer, nicht Anbieter
Mit Blick auf die langfristige Struktur im AI-Sektor vertritt Einhorn einen Standpunkt, der vom Marktkonsens abweicht: Der Mehrwert, den AI schafft, fließt letztlich vor allem an die Nutzer und nicht an die Anbieter.
Er hebt hervor, dass es im AI-Bereich an „Schutzmauern“ fehlt, die für monopolartige Gewinne erforderlich sind. Im Gegensatz zu sozialen Plattformen wie Facebook, wo Netzwerkeffekte entstehen, ist das Nutzungserlebnis von AI hochgradig personalisiert und Nutzer verstärken sich nicht gegenseitig in ihrem Wert.
Im Unterschied zu klassischer Software mit Skalenvorteilen ist AI kapitalintensiv, die Grenzkosten sinken nicht gegen Null. Einhorn erläutert:
Wenn zehn AI-Anbieter ähnliche Services bieten und Nutzer jederzeit günstig wechseln können, bleibt für die Anbieter kaum Gewinn übrig; die Preisgestaltung nähert sich den Grenzkosten an.
Beim Investieren setzt Einhorn nicht direkt auf die vom Markt gefeierten AI-Aktien. Er sagt, diese Titel „sind nicht günstig, alle schauen darauf“.
Greenlight Capital hält stattdessen Unternehmen, die ohnehin fundamental attraktiv sind und langfristig von AI-getriebenen Effizienz- und Kostensenkungen profitieren können.
Als Beispiel nennt er den Krankenversicherungsriesen Centene (CNC), der großes Potenzial für AI-Anwendungen in Datenverarbeitung und Dokumentenautomatisierung hat. Er sagt:
Selbst wenn die AI-Erträge ausbleiben, mag ich diese Aktie aus anderen Gründen.
Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Artikels gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder und repräsentiert nicht die Plattform in irgendeiner Form. Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, als Referenz für Investitionsentscheidungen zu dienen.
Das könnte Ihnen auch gefallen
Die Fed beginnt mit Zinserhöhungen, was den privaten Kreditmarkt zusätzlich belastet
Steigende Zinssätze wirken wie der "letzte Schlag" – die variablen Kreditkosten der Portfoliounternehmen steigen, potenzielle Käufer sind wegen hoher Finanzierungskosten zurückhaltend. 349 Milliarden Dollar sind in Zombie-Fonds gebunden, etwa 500 Milliarden Dollar an Fonds stehen vor dem Risiko einer Überschreitung der Laufzeit und können nicht aussteigen. Das Fundraising-Volumen ist auf das niedrigste Niveau seit 2020 gefallen, die durchschnittliche Rendite erreicht mit nur 7 % ein 14-Jahres-Tief. Eine Welle von Zahlungsausfällen bei Software-Investitionen wird voraussichtlich bis 2028 geballt auftreten, die Bewertungen von Private Credit sind stark gesunken.
