Der Gouverneur der japanischen Zentralbank: Weitere Zinserhöhungen werden je nach Lage erfolgen, die Situation im Nahen Osten, die Nachfrage nach KI und der Wechselkurs sind entscheidende Variablen.
Kazuo Ueda erklärte, dass der potenzielle Inflationstrend sich weiterhin dem 2%-Ziel der Geldpolitik annähert. Vor dem Hintergrund einer zunehmend aktiven Lohn- und Preissetzung durch Unternehmen besteht das Risiko, dass die Inflationsrate das Ziel übersteigt. Es gibt keine festen Vorstellungen hinsichtlich des spezifischen Tempos von Zinserhöhungen; die geldpolitische Ausrichtung wird auf Grundlage ausführlicher Diskussionen in jeder Sitzung entschieden und der zeitliche Rahmen sowie das Tempo von Anpassungen werden sorgfältig abgewogen.
Am Freitag (18. September) erklärte Kazuo Ueda auf einer Pressekonferenz, dass mit zunehmender Bereitschaft der Unternehmen zu Gehaltserhöhungen und einer aktiveren Preisgestaltung die mittelfristigen und langfristigen Inflationserwartungen weiterhin steigen. Japans zugrunde liegende Inflationsrate berge das Risiko, das Ziel von 2 % zu überschreiten. Er betonte, dass man die Zinserhöhungen entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung und der Preisentwicklung fortsetzen werde und die stabile Verankerung des Preisniveaus um 2 % weiterhin das zentrale politische Ziel bleibe.
Laut Kazuo Ueda werden die Produzentenpreise getrieben durch die starke Nachfrage im Bereich Künstliche Intelligenz, den jüngsten Anstieg der Rohölpreise und den anhaltend schwachen Yen auf einem hohen Niveau gehalten und liefern so Unterstützung für die anhaltende Inflation. Analysten sehen darin eine weitere Bestärkung der Markterwartung, dass die Bank of Japan die Zinsen weiter anheben wird.
Bezüglich des Tempos der Zinserhöhungen erklärte Kazuo Ueda, dass es keine konkreten Vorstellungen über den Takt der Zinsschritte gebe. Die Politik werde nach umfassender Diskussion auf jeder Sitzung bestimmt, wobei Zeitpunkt und Tempo von Anpassungen sorgfältig abgewogen würden. Auf die Frage nach einem möglichen Zinsschritt von 50 Basispunkten oder mehreren aufeinanderfolgenden Erhöhungen sagte er, dass keine bestimmten Maßnahmen ausgeschlossen werden, sondern dies von der Inflationsentwicklung abhänge. Der US-Dollar fiel im Vergleich zum Yen kurzfristig um etwa 50 Punkte und lag wieder unterhalb der 157er-Marke.

In einem Artikel von Wallstreetcn heißt es, dass die Bank of Japan den Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,25 % angehoben habe – den höchsten Stand seit 1995 und die sechste Zinserhöhung seit dem Ausstieg aus der Negativzinspolitik im März 2024. Mit dieser Zinserhöhung wurde das schnellste Tempo seit 1990 verzeichnet und markiert einen neuen Abschnitt im Prozess der geldpolitischen Normalisierung in Japan.
Die Entscheidung fiel jedoch nicht einstimmig. Zwei von Premierminister Fumio Kishida ernannte reflationistische Ausschussmitglieder, Unichiro Asada und Ayano Sato, stimmten dagegen und plädierten für eine Zurückhaltung bei weiteren Maßnahmen, was auf anhaltende Differenzen über zusätzliche geldpolitische Straffungen hinweist.
Inflation nähert sich dem Ziel, Risiko einer Übertreibung nicht zu unterschätzen
Was die Inflation betrifft, gab Kazuo Ueda eine deutlichere Warnung ab. Er bemerkte, dass der zugrunde liegende Preistrend dem politischen Ziel von 2 % immer näherkommt und dass angesichts der positiven Gehalts- und Preissetzungsdynamik das Risiko besteht, dieses Ziel zu übertreffen.
Er betonte, dass es nötig sei, Preisverfehlungen zu vermeiden, die der Wirtschaft schaden könnten. Die Inflation bei etwa 2 % zu stabilisieren, sei derzeit ein wichtiges politisches Anliegen.
Moderate wirtschaftliche Erholung, geldpolitische Bedingungen bleiben locker
Kazuo Ueda zeigte sich insgesamt vorsichtig optimistisch gegenüber der japanischen Wirtschaft. Er wies darauf hin, dass sich Japan auf einem moderaten Erholungspfad befinde, auch wenn noch einige Schwächen erkennbar seien, werde das Wachstum voraussichtlich weiterhin moderat bleiben.
Aus geldpolitischer Sicht erklärte Kazuo Ueda, dass die Finanzierungsbedingungen in Japan weiterhin locker seien, das lockere monetäre Umfeld voraussichtlich anhalten und der Wirtschaft weiterhin kräftige Unterstützung bieten wird.
Situation im Nahen Osten, KI-Nachfrage und Wechselkurs als Schlüsselfaktoren
Kazuo Ueda benannte drei externe Variablen, die den künftigen Zinskurs beeinflussen: die Lage im Nahen Osten, die Ausweitung der Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz und die Entwicklung des Yen-Wechselkurses. Durch das Zusammenwirken dieser Faktoren seien die Produzentenpreise in Japan derzeit hoch, und der jüngste Anstieg der Ölpreise erhöhe den Inflationsdruck weiter.
Analysten betonen, dass die Unsicherheiten in Bezug auf diese externen Variablen sowohl eine Beschleunigung der Zinserhöhungen der Bank of Japan bewirken könnten, als auch ein Grund für eine abwartende Haltung sein könnten. Der künftige Zinsverlauf hängt daher größtenteils von der Entwicklung dieser Risikofaktoren ab.
Kazuo Ueda: Es ist schwierig, das passende neutrale Zinsniveau vorherzusagen
Der Gouverneur der Bank of Japan, Kazuo Ueda, sagte, dass sich die Phase der politischen Umsetzung geändert habe. Die Zinserhöhung erfolge, weil man dem Risiko steigender Preise vorbeugen müsse; über die Politik werde nach intensiver Diskussion auf jeder Sitzung entschieden.
Bezüglich des Tempos der Zinserhöhungen sagte Ueda, dass es keine vorgegebenen Schritte gebe. Aktuell bestehe die Hauptaufgabe darin, das Preisniveau um 2 % zu stabilisieren. Das geeignete neutrale Zinsniveau könne nur schwer vorhergesagt werden, auch der Endzinssatz sei schwer zu bestimmen.
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