Der Dieselpreis in den USA ist im laufenden Jahr um 83% gestiegen! Der Chefökonom von Apollo warnt: Die Kostenweitergabe könnte die Kerninflation hartnäckiger machen – die Fed kann das nicht ignorieren.
Torsten Slok, der Chefökonom von Apollo Global Management, warnt davor, dass die Bedrohung durch Inflation, die durch die auf ein historisches Hoch gestiegenen Dieselpreise in den USA verursacht wird, möglicherweise ernster ist als die US-Notenbank derzeit erkennt.
Nach Informationen von German Finanzen APP warnte Torsten Slok, Chefökonom bei Apollo Global Management, dass das Inflationsrisiko durch rekordhohe Dieselpreise in den USA möglicherweise ernster ist, als die Federal Reserve derzeit wahrnimmt. Im Gegensatz zu Benzin, dessen Preisanstieg sich hauptsächlich direkt in den Energiekosten niederschlägt, sind Dieselpreise in den Bereichen Warentransport, Einzelhandels-Lieferketten und beim Bau von Rechenzentren weit verbreitet. Daher können sie weiter auf den Kernverbraucherpreisindex (CPI) durchschlagen. Slok erklärte am Freitag in einem Interview: „Wenn Dieselpreise steigen, beeinflussen sie tatsächlich Kategorien im CPI-Korb, die außerhalb der Energie liegen.“
Dies ist besonders relevant für die aktuelle Geldpolitik der Federal Reserve. Die Federal Reserve hat gerade die erste Zinserhöhung seit 2023 vorgenommen, während die Inflation in den USA deutlich über dem angestrebten Ziel von 2% bleibt. Da die Kerninflationsrate Energiepreise ausschließt, meint Slok, die Federal Reserve könne den Anstieg der Dieselpreise nicht einfach als einen temporären Energieschock abtun, weil höhere Transportkosten letztlich tief in die Preise von Kernwaren und Dienstleistungen einsickern könnten.
Nach dem Krieg zwischen den USA und Iran, der die Ölversorgung aus dem Persischen Golf beeinträchtigte, stehen amerikanische Verbraucher ohnehin unter Druck durch steigende Benzinpreise. Doch Unternehmen und die Transportbranche, die auf Diesel angewiesen sind, spüren den Schock noch stärker. Bis Donnerstag legte der Durchschnittspreis für Diesel in den USA im bisherigen Jahr um 83% zu und erreichte 6,50 USD pro Gallone; im Vergleich dazu stiegen die Benzinpreise im gleichen Zeitraum um 59%.
Slok weist darauf hin, dass Diesel und Benzin unterschiedliche Auswirkungen auf die Inflation haben. Diesel wird umfassend beim Warentransport eingesetzt – von Lieferketten im Einzelhandel bis zu Rechenzentren –, und diese Nachfrage weist eine geringe Preiselastizität auf: Selbst bei deutlichen Preissteigerungen können Unternehmen ihren Transportbedarf kaum wesentlich reduzieren. Das bedeutet, dass Transportunternehmen die steigenden Kosten an andere Unternehmen weitergeben könnten, die diese wiederum letztlich an die Konsumenten weiterreichen werden.
Folglich verbleibt der Einfluss steigender Dieselpreise nicht nur im Bereich „Energie“ des CPI, sondern kann sich über Logistik, Waren- und Dienstleistungspreise auf viele Kanäle ausbreiten und so einen anhaltenderen Aufwärtsdruck auf die Kerninflation erzeugen.
Slok meint, dass diese „sekundäre Durchleitung“ genau der entscheidende Unterschied zwischen einem Dieselpreisschock und gewöhnlichen Energiepreisschwankungen ist. Wenn Benzinpreise nur kurzfristig steigen, kann die Federal Reserve üblicherweise mehr Gewicht auf die Entwicklung der Kerninflation ohne Energie- und Lebensmittel legen. Aber wenn steigende Dieselpreise die Kosten für Warentransport, Bau und den Geschäftsbetrieb erhöhen und sich letztlich in anderen Waren- und Dienstleistungspreisen widerspiegeln, kann sich ein Energieschock in einen weitreichenden Inflationsdruck verwandeln.
In diesem Szenario wird es für die Federal Reserve schwieriger, einen Anstieg der Energiepreise als einmaligen und temporären Schock zu interpretieren. Besonders relevant erscheint diese Problematik derzeit, da die Federal Reserve gerade die Zinserhöhungen wieder aufgenommen hat. Wenn Dieselpreise dauerhaft hoch bleiben und die Kerninflation weiter antreiben, könnte der Druck auf die Federal Reserve, die Preise im Griff zu behalten, zunehmen.
Zugleich sieht Slok den anhaltenden Investitionsboom im Bereich künstliche Intelligenz als den wichtigsten Grund für die Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft in einem Umfeld hoher Zinsen. Er schätzt, dass AI-aktivitäten derzeit etwa 1 Prozentpunkt zum Wachstum des US-BIP beitragen – nahezu die Hälfte des aktuellen Wirtschaftswachstums.
Dieser Beitrag stammt nicht nur aus dem Bau von Rechenzentren, sondern umfasst auch die daraus resultierende Energienachfrage, Softwareausgaben sowie den durch steigende Aktienkurse ausgelösten Wohlstandseffekt.
Mit anderen Worten: Die US-Wirtschaft wird derzeit von zwei Kräften beeinflusst. Zum einen stützt der KI-Investitionsboom weiterhin die Wirtschaft und Nachfrage; zum anderen sorgen die explodierenden Kosten für Energie wie Diesel dafür, dass die Unternehmens- und Transportkosten steigen – was die Inflation weiter antreiben könnte.
Dies schafft für die Federal Reserve auch eine komplexere politischen Lage: Das Wirtschaftswachstum bleibt robust, aber der Inflationsdruck könnte wegen der Ausbreitung der Energiekosten auf die Kernpreise noch hartnäckiger werden.
Slok beschreibt zudem ein Szenario, das der Federal Reserve aus der Not weiterer Zinserhöhungen helfen könnte. Sollte der Krieg zwischen den USA und Iran gelöst werden und sich der globale Druck auf das Energieangebot entspannen, könnten Öl- und Dieselpreise zurückgehen und den Inflationsdruck vermindern. In diesem Fall müsste die Federal Reserve womöglich keine weiteren Zinserhöhungen vornehmen, um die Preise zu dämpfen.
Slok betont jedoch, dass eine Entspannung im Nahen Osten und ein daraus resultierender Rückgang der Energiepreise derzeit die größte Hoffnung der Federal Reserve darstellt, um weiteren Zinserhöhungen zu entgehen – ob dieses Ergebnis jedoch eintritt, sei höchst ungewiss.
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