17,5 Milliarden Dollar an Cat Bonds nach ESMA-Warnung gefährdet
Europäische Regulierungsbehörden nehmen $17,5 Milliarden an Katastrophenanleihen ins Visier, die in UCITS-Fonds gehalten werden. Die ESMA hält diese Wertpapiere, die Naturkatastrophen ausgesetzt sind, für zu komplex und riskant für Privatanleger. Sollte die Europäische Kommission dieser Empfehlung folgen, könnte eine Welle von Zwangsverkäufen einen bereits angespannten Markt erschüttern.
Kurz gefasst
- Die ESMA empfiehlt, Katastrophenanleihen aus UCITS-Fonds auszuschließen, da diese Anlagen für Privatanleger zu komplex seien.
- Etwa $17,5 Milliarden sind direkt bedroht, was fast ein Drittel des globalen Marktes für Katastrophenanleihen ausmacht.
- Eine ungünstige europäische Entscheidung könnte eine Welle von Zwangsverkäufen auslösen, mit potenziell destabilisierenden Auswirkungen auf den Markt.
- Große Akteure wie Neuberger Berman und PGGM unterstützen regulatorische Vorsicht und heben Liquiditätsrisiken und massive Verluste hervor.
Die europäische Regulierungswarnung erschüttert den Markt für Katastrophenanleihen
Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) hat der Europäischen Kommission ein deutliches Signal bezüglich der Legitimität von Katastrophenanleihen (cat bonds) in UCITS-Portfolios gesendet – jenen Fonds, die als sicher gelten und sich an ein breites Publikum von Privatanlegern richten, während sie bereits vor tokenisierten Aktien gewarnt hatte.
Die Institution ist der Ansicht, dass diese Instrumente, die mit extremen Naturereignissen verbunden sind, ein unangemessenes Risiko für nicht-professionelle Sparer darstellen. Bis heute sind etwa $17,5 Milliarden dieser Wertpapiere von einer möglichen regulatorischen Neueinstufung betroffen, was fast ein Drittel eines auf $56 Milliarden geschätzten Weltmarktes ausmacht. Diese Forderung kommt zu einer Zeit, in der die Hurrikansaison in den Vereinigten Staaten bereits begonnen hat – eine Periode, in der diese Anleihen ausgelöst werden können.
Die ESMA führt technische und strukturelle Gründe zur Rechtfertigung ihrer Warnung an. Katastrophenanleihen erfordern ein tiefes Verständnis von Katastrophenmodellierung, Klimaphysik und Risikotransfermechanismen zwischen Versicherern und Finanzmärkten. Hier einige Schlüsselpunkte:
- Hohe Komplexität: Die zur Strukturierung und Bewertung dieser Wertpapiere verwendeten Modelle erfordern Fachwissen in Data Science, Versicherungswesen und Klimatologie;
- Das Risiko schwerer Verluste: Im Falle eines Auslöseereignisses (Erdbeben, Zyklon…) kann der Anleger sein gesamtes Kapital oder einen Teil davon verlieren;
- Ungeeignetheit für die breite Öffentlichkeit: Laut ESMA gehören diese Produkte nicht in Fonds, die für uninformierte Privatanleger bestimmt sind;
- Bedrohung durch Zwangsverkäufe: Sollte die Kommission der Meinung der Aufsichtsbehörde folgen, müssten Manager diese Anlagen schnell aus ihren UCITS-Portfolios entfernen – möglicherweise unter ungünstigen Marktbedingungen.
Ein überstürzter Ausstieg könnte den Sekundärmarkt für Katastrophenanleihen destabilisieren, dessen Liquidität bislang kaum getestet wurde.
Eine Branche zwischen Vorsicht und Verteidigung der Performance gespalten
Die von der ESMA ausgesprochene Warnung stößt in der Branche nicht auf einhellige Zustimmung. Einige große Institutionen wie Neuberger Berman oder das niederländische PGGM stimmen dem Regulator zu.
Für Peter DiFiore, CEO von Neuberger Berman, ist der Glaube an die Liquidität dieser Produkte eine gefährliche Illusion. „Wir haben in diesem Markt noch kein echtes Liquiditätsereignis erlebt“, erklärte er und wies darauf hin, dass sein Fonds, der $1,3 Milliarden in Katastrophenanleihen verwaltet, keine davon in UCITS-Vehikeln hält.
Bei PGGM weist Eveline Takken-Somers ebenfalls auf systemische Risiken hin: „Ein Erdbeben in San Francisco könnte 30 bis 40 % eines Portfolios auf einen Schlag vernichten. Wenn Sie sich dessen nicht bewusst sind, könnten Sie es bereuen.“
Umgekehrt plädieren einige Manager dafür, Katastrophenanleihen in Portfolios zu belassen, die über UCITS für die Öffentlichkeit zugänglich sind, und verweisen auf deren außergewöhnliche Performance. Daniel Grieger, CIO bei Plenum Investments, verteidigt diese Anlageklasse vehement: „Katastrophenanleihen erzielten während der Covid-Pandemie, des Zinsanstiegsschocks und sogar bei Störungen durch Trumps Zölle solide Renditen.“
Für ihn schaut die ESMA in die falsche Richtung, und ihre Position widerspricht den Zielen der Europäischen Union für Sparen und Investieren (SIU), die darauf abzielen, Kleinsparern mehr finanzielle Optionen zu eröffnen.
Während einige traditionelle Produkte wie Katastrophenanleihen wegen ihrer Intransparenz kritisiert werden, profitiert bitcoin – obwohl weiterhin umstritten – dank seiner öffentlichen Blockchain von vollständiger Transparenz.
Auf Marktebene könnte eine ungünstige Entscheidung zu massiven Verkäufen führen, die Liquidität verringern und die Finanzierungsbedingungen für Rückversicherer beeinträchtigen. Das Risiko besteht auch darin, dass sich einige Manager vollständig aus dieser Anlageklasse zurückziehen, was das Angebot verknappen würde.
Bislang hat die Europäische Kommission noch keine Entscheidung getroffen. Es wird eine Konsultationsphase erwartet, in der technische und politische Argumente geprüft werden. Das Ergebnis dieser Debatte könnte die Investitionsgrenzen in der Europäischen Union neu definieren und die Grundlage für eine neue regulatorische Architektur für sogenannte alternative Produkte legen, wie die verstärkte Aufsicht über Kryptounternehmen auf dem Alten Kontinent zeigt.
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