Wetten auf einzelne Aktien im Stundentakt: Die gehebelten ETFs an der Wall Street entwickeln sich weiter
Defiance ETFs hat bei der SEC die Genehmigung für die Einführung eines gehebelten Fonds mit stündlicher Neuausrichtung beantragt, der an jedem Handelstag sechsmal neu gewichtet wird und den Ertragsziel-Zeitraum von "täglich" auf "stündlich" verkürzt. Dieses Produkt bietet aktiven Tradern ein präziseres intraday-Handelswerkzeug, allerdings werden durch die häufige Wiederanlage sowohl Gewinne als auch Verluste verstärkt, was das Volatilitätsrisiko weiter erhöht. Vor dem Hintergrund verschärfter Prüfungen von Leveraged-ETFs durch globale Aufsichtsbehörden bleibt es ungewiss, ob dieses Produkt genehmigt wird.
Hebel-ETFs komprimieren den Zyklus zur Zielerreichung von „Tag“ weiter auf „Stunde“.
Am 9. September berichtete Bloomberg, dass Defiance ETFs am 21. August 2026 bei der US-Börsenaufsicht SEC Unterlagen eingereicht hat, um eine Reihe von Hebelfonds zu lancieren, die beliebte Technologiewerte wie Meta, Microsoft, Nvidia, Palantir Technologies und Tesla verfolgen. Ziel ist es, den Berechnungszeitraum für die Erträge von einem Handelstag auf wenige Stunden zu verkürzen.
Dieses Design komprimiert den aktuellen Zyklus von täglich neu justierten Hebel-ETFs und ermöglicht mehrfaches intra-day Rebalancing des Hebels.
Die Anmeldung erfolgt zu einem Zeitpunkt, in dem die Regulierungsbehörden ihre Überprüfung von Hebel-ETF-Produkten verschärfen. Die SEC hat den Genehmigungsprozess für drei-, vier- und sogar fünffach gehebelte Fonds verlangsamt, und südkoreanische Behörden haben die entsprechenden Regeln im Sommer verschärft. Im Falle einer Zulassung würde das Produkt aktiven Tradern eine feinere Möglichkeit für intraday Positionswetten bieten, gleichzeitig würde sich das Risiko verstärkter Schwankungen erhöhen, da Gewinne und Verluste im selben Handelstag wiederholt durch den Zinseszins-Effekt akkumuliert werden.
Produktdesign: Stündliche Anpassung, sechs Rebalancings pro Handelstag
Laut den von Defiance ETFs eingereichten Unterlagen werden die geplanten Fonds über Swaps oder Optionen etwa das Doppelte des Basiswerts abdecken und sechs Mal pro Handelstag rebalancieren, während bestehende Produkte in der Regel nur einmal beim Börsenschluss neu justiert werden. Jede Anpassung basiert auf einem zeitgewichteten Durchschnittspreis statt auf einem einzelnen Preis.
Das bedeutet, dass, falls Trader vorhersagen, dass Nvidia aufgrund einer Nachricht zu einem bestimmten Zeitraum steigen wird, sie den Fonds im entsprechenden Stundenfenster kaufen können, mit dem Ziel, in diesem Zeitraum etwa die doppelte Kurssteigerung zu erzielen – nicht das Doppelte des Tagesgewinns. Nach der nächsten Anpassung wird das Zwei-fache Ziel neu berechnet.
Sylvia Jablonski, Chief Investment Officer bei Defiance ETFs, erklärte: Das Produkt soll „Investoren eine andere Möglichkeit bieten, ihre intraday-Meinung auszudrücken“. Statt den doppelten Gewinn von Schlusskurs zu Schlusskurs anzustreben, verfolgt das stündliche ETF-Modell das festgelegte Multiplikatorziel innerhalb eines einstündigen Messzyklus.
Zinseszins-Effekt: Das zweischneidige Schwert wird ausgeprägter
ETF-Anbieter betonen seit langem, dass Hebel-ETFs eher Handelsinstrumente als traditionelle Buy-and-Hold-Investments sind. Das stündliche Reset verstärkt diese Eigenschaft nochmals.
Im stündlichen Reset-Struktur werden Gewinne und Verluste jedes Zeitraums zum Ausgangspunkt des nächsten Zeitraums, sodass Gewinn und Verlust im selben Handelstag wiederholt zinseszinsartig wirken. Steigt der Basiswert kontinuierlich, kann dieser Mechanismus die Rendite verstärken; bei Marktvolatilität oder Kursrückgang kann derselbe Zinseszins-Effekt Verluste ebenfalls verstärken und zu höherem Volatilitätsverlust führen.
James Seyffart, ETF-Analyst bei Bloomberg Industry Research, äußerte sich skeptisch. Abgesehen von bestimmten stündlichen Ereignisfenstern wie Earnings oder anderen Ankündigungen glaubt er „nicht vollständig, dass dies einen völlig anderen Exposure bietet als Produkte mit täglicher Neupositionierung“.
Regulatorischer Druck: Weltweite Verschärfung der Hebel-ETF-Prüfung
Hintergrund der aktuellen Anmeldung ist, dass die Toleranz globaler Regulierungsbehörden gegenüber Hebel-ETF-Produkten sinkt. Die SEC hat Genehmigungen für Produkte mit dreifachem oder höherem Hebel gestoppt und prüft die zunehmend spekulative ETF-Welle genauer.
Laut Bloomberg gab es diesen Sommer in Südkorea starke Proteste von Kleinanlegern, die massenhaft in SK Hynix- und Samsung Electronics-Hebel-Fonds investierten und anschließend erhebliche Verluste erlitten. Das Thema erregte sogar die Aufmerksamkeit des koreanischen Präsidenten. Daraufhin verschärften die koreanischen Behörden die Regeln, sodass Anleger erst nach fünf Tagen simulierten Investments teilnehmen konnten, was die Nachfrage nach einigen beliebten Hebelprodukten deutlich reduziert hat.
Ob Defiance ETFs die Zulassung der SEC erhalten, ist derzeit offen. Angesichts der insgesamt vorsichtigen Haltung der Regulierungsbehörden gegenüber Hebelprodukten wird dieser neue Versuch, den spekulativen Zyklus auf Stundenbasis zu verkürzen, einer noch strengeren Prüfung unterliegen.
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