KI-Blase, Diesel-Schock, Renditen steigen! Hartnett von Bank of America warnt vor näherndem Stagflationsrisiko im Herbst
Der Chefstratege der Bank of America, Hartnett, hat eine dreifache Warnung ausgesprochen: Die Diesel-Crack-Spanne erreichte mit 102 US-Dollar pro Barrel ein Allzeithoch, die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe stieg auf den höchsten Stand seit 2007, und trotz des AI-Hypes ist die totale Faktorproduktivität (TFP) unter den langfristigen Trend gefallen – das Risiko der Stagflation im Herbst wächst. Er warnte, dass „ein gelassener Markt in Kombination mit einer harten Politik der Nährboden für Volatilität ist“ und betonte: „Es ist noch nicht zu spät, sich gegen die AI-Blase abzusichern.“
Dreifacher Druck sammelt sich im Markt.
Michael Hartnett, Chef-Anlagestratege der Bank of America, warnt in der neuesten Ausgabe des „Flow Show“-Berichts: Rekordhohe Dieselpreise, die 30-jährige US-Staatsanleiherendite auf dem höchsten Stand seit 2007, sowie Produktivitätsbedenken unter dem Deckmantel des KI-Booms, bilden gemeinsam ein Risiko der Herbst-Stagflation.
Hartnett nennt den Transportation ETF (IYT) als aktuell wichtigsten Indikator. Er betont, sollte IYT die Unterstützungslinie der 200-Tage-Durchschnitt bei 80 Punkten unterschreiten, werde die makroökonomische Ent-Risikofizierung des Sommers eindeutig zu einem Stagflations-Ereignis im Herbst. Gleichzeitig warnt er: „Eine gelassene Marktstimmung gepaart mit harter Politik ist der Nährboden für Volatilität“, und stellt klar: „Es ist noch nicht zu spät, um den KI-Bubble-Index abzusichern.“
Kapitalströme belegen den subtilen Stimmungswandel im Markt. In den vergangenen drei Wochen flossen durchschnittlich nur 7 Milliarden US-Dollar pro Woche netto in US-Aktien – stark zurückgegangen gegenüber dem Juli-Höchstwert von 52 Milliarden. US-Aktien verzeichneten sogar den größten netten Abfluss über drei Wochen seit Januar 2026, mit einem Volumen von 14,2 Milliarden Dollar.
Diesel ist der wahre Druckpunkt
Obwohl die Nachricht vom Anstieg des Ölpreises auf 100 Dollar pro Barrel die Schlagzeilen dominiert, richtet Hartnett eine größere Warnung auf den Dieselmarkt. Er stellt im Bericht klar: Diesel ist „das Kernproblem der Realwirtschaft“ – Schifffahrt, LKW-Transporte, Landwirtschaft, Bau und Bergbau sind alle stark auf Diesel angewiesen.
Momentan hat die sogenannte Diesel-Crack-Spanne ein Rekordhoch von 102 Dollar pro Barrel erreicht und die Diesel-Einzelhandelspreise erreichen ein Allzeithoch von 6 Dollar pro Gallone. Im Vergleich liegt der Ölpreis noch weit unter dem Höchststand während der Ukraine-Krise – die Diskrepanz zeigt den außerordentlichen Druck auf die Raffinerien.
Hartnett warnt, dass für die gesamte industrielle USA diese Kostensteigerung als größter Inputfaktor nicht ignoriert werden kann. Er definiert den Transportation ETF IYT als Kernindikator: Dieser ETF testet gerade die 200-Tage-Durchschnittslinie bei 80 Punkten; sobald sie nachhaltig unterschritten wird, ist der Stagflationsherbst offiziell bestätigt.

Hohe Renditen, Diversifizierungseffekt von Anleihen schwindet
Die Renditen der 30-jährigen US-Staatsanleihen liegen auf dem höchsten Stand seit Juni 2007 – der Markt bleibt insgesamt dennoch überraschend ruhig.
Hartnett verweist auf historische Muster: „Die Märkte testen meist den Willen der Politik“ – am 31. Juli 2026 nach der gemeinsamen US-Japan Intervention, testete der Yen die Marke von 160, bevor er auf unter 154 gedrückt wurde; am Tag nach der Ankündigung von QE3 2012 stieg die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe um 16 Basispunkte; und wenige Tage nach QE4 2020 sprang sie sogar um 51 Basispunkte an.
Er betont ferner, dass das aktuelle „Peak Yield“-Trading funktioniert, der langlaufende Rebound bei XBI, KRE, REITs und Small Caps hat bereits begonnen, noch bevor die Zentralbank ihre Zinsen erhöht. Dennoch fehlt dafür die Unterstützung durch Kapitalzuflüsse.
Auf Anleihenseite gibt Hartnett eine tiefgreifende Warnung: Während der Ära „langfristige Stagnation“ von 2000 bis 2019 waren Anleihen und Aktien negativ korreliert, 2% bis 3% Rendite galten als zusätzlicher Bonus. Heute korrelieren die Renditen beider Assetklassen wieder positiv – Investoren benötigen nun höhere Renditen, um in großem Umfang zu Anleihen umzuschichten, und der Diversifikationseffekt von Anleihen schwindet rasant.

Künstliche Intelligenz-Bubble: Produktivitätsdaten warnen
Hartnett bringt im Bericht die bisher direkteste Kritik am KI-Boom. Er stellt fest, dass KI-Investitionen in den letzten drei Jahren über 1,5 Billionen Dollar erreicht haben, aber Belege für einen nachhaltigen Produktivitätsanstieg fehlen immer noch – die gesamte Faktorproduktivität (TFP) fällt unter den langfristigen Trend, und dieser Indikator korrelierte die letzten 50 Jahre stark mit dem Verbrauchervertrauen.
Ein weiteres Nebenprodukt des KI-Booms zeigt sich bei der Bewertung: Die freie Cashflow-Rendite des S&P 500 Index sinkt auf ein historisches Tief. Hartnett präsentiert: Das Portfolio mit hohen freien Cashflow-Aktien (VFLO) stieg seit Jahresbeginn um 37 % und performte besser als der Gesamtmarkt; während im typischen Stagflationsjahr 2022 das Portfolio um 9 % stieg, fiel das S&P 500 ETF (SPY) um 18 % im gleichen Zeitraum.
Sein Fazit ist eindringlich: „Manchmal weiß Main Street Dinge, die Wall Street nicht weiß.“
Kapitalflüsse: Sinkende Attraktivität von Aktien, Anleihen und Kryptowährungen gefragt
Die neuesten Daten zu globalen Kapitalströmen zeigen: Anleihen ziehen 17,5 Milliarden Dollar an, Bargeldzuflüsse betragen 12,9 Milliarden Dollar, Aktien 9,8 Milliarden Dollar, Kryptowährungen 1,3 Milliarden Dollar und Gold 600 Millionen Dollar.
Im Detail: Globale Anleihen verzeichnen bereits die vierte Woche in Folge durchschnittlich 18 Milliarden Dollar Nettozufluss; Investment-Grade-Anleihen melden den 23. Wochenzufluss in Folge mit 5 Milliarden Dollar in einer Woche; chinesische Aktien erhalten erstmals seit sechs Wochen wieder einen Nettozufluss mit 1,1 Milliarden Dollar; der Materials-Sektor fließt die zehnte Woche in Folge mit 1,9 Milliarden Dollar; Kryptowährungen treten mit 6,8 Milliarden Dollar Nettozufluss über die letzten sechs Wochen stark auf.
Hartnetts spezieller Sell-Index fiel diese Woche leicht von 9,6 auf 9,5, hauptsächlich wegen der Verlangsamung der Aktienzuflüsse und Kapitalabflüssen im Healthcare-Sektor. Bemerkenswert: Seit die Sell-Indikation am 2. Mai ausgelöst wurde, stieg der S&P 500 Index insgesamt um 1,0 %, der globale ACWI um 1,5 %, Korrekturen blieben bislang aus – Hartnett glaubt, das verstärkt den Druck einer kommenden Risikoentladung.
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