Eine kostspielige Absicherungschance in einem ruhigen US-Aktienmarkt: Société Générale empfiehlt den Verkauf von kurzfristigen Tail-Volatilitäten, rät jedoch zur Absicherung gegen starke Einbrüche.
Die Société Générale erklärte, dass die kurzfristigen Optionen-Premien des S&P 500 einen attraktiven Einstieg für Volatilitätsverkaufsstrategien bieten, jedoch sollte das Abwärtsrisiko abgesichert werden.
Laut Informationen der Zhihu Finance APP erklärten die Strategen der Société Générale, dass der jüngste Anstieg der Prämien für kurzfristige Optionen auf den S&P 500 Index potenziell attraktive Chancen für Anleger biete, die bereit sind, Volatilität zu verkaufen – vorausgesetzt, sie sichern sich gegen plötzliches Marktrisiko ab.
Laut einem Bericht des bereichsübergreifenden quantitativen Research-Teams der Bank vom 4. September spiegelt das Preisniveau von Optionen mit ein bis zwei Tagen Restlaufzeit aktuell eine weit überdurchschnittliche Volatilität wider, unabhängig davon, ob die Kurse steigen oder fallen. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung seit Mitte August, obwohl die tatsächlich realisierte Volatilität (d.h. das tatsächliche Ausmaß der Marktschwankungen) weiterhin relativ moderat bleibt.
Diese Diskrepanz bedeutet, dass Händler, die „Tail Volatility“-Optionen (also Optionen zur Absicherung extremer Marktschwankungen) verkaufen, für das eingegangene Risiko besser entlohnt werden können. Société Générale führt diese Strategie als eine ihrer bevorzugten Volatilitätsarbitrage-Strategien.
Für Investoren unterstreicht diese Empfehlung den wichtigen Unterschied zwischen einem ruhigen Markt und günstigem Hedging-Schutz. Die Aktienkurse mögen wenig schwanken, doch Optionshändler verlangen höhere Prämien, um sich gegen plötzliche Kursbewegungen nach oben oder unten abzusichern. Dies kann Volatilitätsverkäufer profitabel machen, aber sollte der Markt abrupt aus seiner Bandbreite ausbrechen, könnten solche Gewinne schnell durch erhebliche Verluste zunichte gemacht werden.
Die Analyse der Bank zeigt, dass seit Mitte August das implizite Abwärtsrisiko von S&P 500-Put-Optionen mit zwei Tagen Laufzeit im Vergleich zur realisierten Volatilität gestiegen ist. Gleichzeitig nahm auch das implizite Aufwärtsrisiko ähnlicher Call-Optionen zu, was beide Enden der bedingten Wahrscheinlichkeitsverteilung im Markt anhebt.
Société Générale warnt jedoch, dass der Verkauf solcher kurzfristiger Optionen ein erhebliches negatives Gamma-Risiko mit sich bringt. Konkret bedeutet das: Bei heftigen Kursschwankungen – insbesondere im Zuge von schnellen Markteinbrüchen – kann diese Strategie die Verluste sogar beschleunigen.
Zur Risikominimierung kombiniert die Bank dieses Geschäft daher gerne mit ihrer „synthetischen Downside-Varianz“-Strategie. Dabei handelt es sich um ein Instrument zur Absicherung gegen Aktienvolatilität, das darauf ausgelegt ist, von kräftigen Marktbewegungen zu profitieren. Den Bericht zufolge erzielte diese Absicherungsstrategie in Phasen wie dem Volatilitätsausbruch im Februar 2018, dem pandemiebedingten Börsencrash und dem durch Zölle ausgelösten Ausverkauf 2025 jeweils überzeugende Resultate.
Beide Strategien sollen sich gegenseitig ergänzen: Short-Positionen auf kurzfristige Tail-Volatilität generieren in ruhigen Marktphasen in der Regel Prämien, während die Absicherungsstrategie dann Gewinne abwerfen kann, wenn ein plötzlicher Ausverkauf zu Verlusten beim Volatilitätsverkauf führt.
Dieser Schutz ist jedoch nicht lückenlos. Ein rascher Markteinbruch könnte Verluste bei kurzfristigen Positionen verursachen, bevor ein Anstieg der langfristigen impliziten Volatilität groß genug ausfällt, damit sich das Hedging auszahlt. Umgekehrt dürfte die Absicherungsstrategie in einem allmählichen, lang andauernden Bärenmarkt wie 2022 eher schwierig zu managen sein – was das Umfeld wiederum zugunsten von kurzfristigen Volatilitätsstrategien verändern könnte.
Die Strategen warnen Investoren zudem davor, fest damit zu rechnen, dass Staatsanleihen zuverlässig Aktienverluste ausgleichen. Die Bank sieht hohe und instabile Zinssätze als das zentrale makroökonomische Risiko, das unter Umständen die traditionelle negative Korrelation zwischen Aktien und Anleihen aufweichen könnte. Daher bevorzugt Société Générale explizite Volatilitätsstrategien für Aktien zur Absicherung des Aktienportfolios und hält langfristige Volatilitätspositionen, um Zinsrisiken zu hedgen.
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